Bericht in der Monatszeitschrift "Natur und Hielen": Zimt als Therapiemöglichkeit bei Diabetes
Nun hat die Schulmedizin also entdeckt, dass Zimt einen “verbesserten Glucosestoffwechsel” und “bessere Blutlipidwerte” bewirken kann. Das ist wieder ein Fall, wo verpöntes, altes Naturheilkundewissen von der Wissenschaft rehabilitiert wird. Sowohl die alten Chinesen als auch die westlichen mittelalterlichen Kräuterheilkundigen setzten Zimt bei Verdauungs- und Schwächezuständen ein. Neu ist, dass zur Zeit 7,8 % der Europäer zuckerkrank sind und in zwanzig Jahren ca. 20% der Bevölkerung davon betroffen sein sollen. Die Experten “suchen verzweifelt nach Wegen, die (Diabetes-)Epidemie einzugrenzen”.
In marktwirtschaftlichen Termini technici gesprochen: Ein neuer Wachstumsmarkt scheint sich anzubahnen. Aber leider, leider: “Warum das alles so ist, hat die Wissenschaft bis heute noch nicht genau herausgefunden”. Wie gut, dass es eine Alternative gibt: “ Der regelmäßige Verzehr von frischem und erstklassigem Zimt [verbessert] die Insulin- und auch die Cholesterolwerte”. Und noch zwei gute Nachrichten : “Die Gefahr einer Überdosierung sei nicht gegeben” - “Der Zimt ist etwas, was wir alle verwenden können, ohne unsere Gewohnheiten allzusehr verändern zu müssen.”
Bei den G r ü n d e n für die steigende Diabetes-Erkrankungsrate tappen unsere führenden Naturwissenschaftler noch im Trüben: Genetische Ursachen werden vermutet, der Gesundheitszustand der Mutter vor der Geburt der betreffenden Person könne eine Rolle spielen, die wesentlichsten Auslöser seien aber Übergewicht und zu wenig Bewegung. Und eines wissen die Experten trotz aller Unwissenheit auch noch: Es stimmt nicht, dass der Verzehr von zu viel Zucker zur Zuckerkrankheit führt (“Das ist eine Mär.”)
Es ist wieder einmal bemerkenswert, wie unreflektiertes Halbwissen und gezielte Falschinformationen ihren Weg in eine um Seriosität bemühte Zeitschrift wie “Natur und Heilen” gefunden haben.
Zutreffend ist, dass Diabetes eine Krankheit mit gestörtem Glucose- und Lipidstoffwechsel ist, d.h. als Organe sind vor allem die Leber und das Pankreas betroffen. Welche pathologischen Einflüsse können dies bewirkt haben ?
Jede Maschine, die ständig auf höchsten Touren gefahren wird, ist maximalem Verschleiß ausgesetzt und gerät schneller an die technischen Grenzen als eine weniger extensiv Genutzte – wie ist das bei menschlichen Organen ?
Gesetzt den Fall, Gentechnik könnte die Lösung bieten – was müßte erreicht werden? Im Vokabular der Genforscher ausgedrückt wäre das Ziel: Die Leistungsfähigkeit der Insulinproduktionsstätten (Beta-Zellen) muss an den Konsum an raffinierten Kohlehydraten angepaßt werden. Wenn das geschafft wäre, dann hätten sie das Diabetesproblem im Griff. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber der Vorschlag einer angeblich nebenwirkungsfreien Anwendung von Zimt zum selben Zweck geht in die gleiche Richtung.
Übersehen wird dabei, dass der Zeitpunkt der Insulinresistenz ( oder des Absinkens der Insulinproduktion bzw. der Bildung von physiologischen Insulin-Inaktivatoren oder Insulinantikörpern) voraussichtlich nur um eine mehr oder weniger lange Zeit hinausgezögert werden kann. Und was dann ? Doch die Insulinspritze ?
Eine Mutter mit ständig erhöhtem Blutzuckerspiegel gibt die Glukose über plazentäre “aktive stereoselektive Transport-mechanismen” , nämlich “erleichterte Diffusion” an den Embryo weiter. Dieser ist für diese Situation nur unzureichend gerüstet, da Insulin als Polypeptidhormon “praktisch nicht plazentar” weitergegeben wird und der liebe Gott vorgesehen hat, dass der Embryo “hormonell weitgehend autark” zu sein hat. (H. Marquardt, S.G. Schäfer, Lehrbuch der Toxikologie, Heidelberg und Berlin 1997, S. 47). Somit muss das embryonale Pankreas erhebliche Mehrarbeit leisten, um nicht den Embryo in den Zustand der Hyperglykämie abgleiten zu lassen. Eine vorzeitige Erschöpfung der Beta-Zellen wegen dieser zwangsweisen “Kinderarbeit” ist die logische Folge. Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie ein Fehlverhalten als „genetisch“ vererbte Krankheit eingestuft wird, weil die sozialen und verhaltensgeprägten Bedingungen der Krankheitsentstehung außer Acht gelassen werden.
Der Mißbrauch von raffinierten Kohlehydraten in unserer Gesellschaft hat epidemische Ausmaße, seit Jahren und Jahrzehnten. Die prognostizierte Zunahme der Diabeteskranken ist die Folge davon, dass physiologische Zusammenhänge verleugnet werden, die Entfremdung so weit gediehen ist, dass der Ursachenzusammenhang einer Krankheit als „Mär“ bezeichnet wird, obwohl die Krankheit (zumindest in der deutschen Sprache) nach dem Stoff bezeichnet wurde, der sie auslöst. Viele Medien schreiben unreflektiert, was von merkantilem Profitdenken manipulierte, subjektiv vielleicht von gutem Willen beseelte Experten ausstoßen. Schade, dass auch „Natur und Heilen“ nicht davon frei ist.
Dr. Norbert Guggenbichler, Zahnarzt und Heilpraktiker, Louisenstr. 19, 61348 Bad Homburg, Tel. 06172 / 24760