Leseprobe aus: "Lesebuch der Psychosomatischen Energetik, Band 4, Kap. 7
Herausgeber: Dr. Reimar Banis
(Ich bitte um Verständnis, dass der Beitrag hier nicht in voller Länge zu finden ist.) Das Lesebuch ist unter der ISBN-Nummer 978-3-934672-31-4 in jeder Buchhandlung zum Preis von ca. 35 € erhältlich.)
7. Schwerpunktthema funktionelle Zahnmedizin
Kommentar des Herausgebers zum nachfolgenden Artikel:
Zu den wichtigsten Störungen im Kiefer-Mund-Raum gehören funktionelle
Kieferfehlstellungen. Der Fachmann spricht von „craniomandibulärer Dysfunktion“,
einem in der zahnärztlichen Praxis immer häufiger anzutreffenden Krankheitsbild,
das oftmals psychosomatische Ursachen hat. Wegen der leib-seelischen-Kausalität
hat dieser Symptomenkomplex für die PSE verständlicherweise eine ganz besondere
Bedeutung – eine Aussage, die man sinngemäss auch umkehren kann und die trotzdem
genauso richtig bleibt: die PSE hat gemäss dem Zahnarzt und Heilpraktiker
Guggenbichler für die Erkennung und Heilung der craniomandibulären Dysfunktion
eine ganz besondere Bedeutung. Von der PSE ist deshalb die Rede, wenn Herr
Guggenbichler im Untertitel der nachfolgenden Arbeit von einem „neuen
supportiven Therapieansatz“ spricht.
In der nachfolgenden Übersichtsarbeit geht der Autor auf die Ursachen und
Therapie dieses komplexen und schwierigen Krankheitsbildes ein. Die nachfolgende
Arbeit verdient wegen ihres breiten gesellschaftspolitischen und
psychologisch-philosophischen Ansatzes, nicht nur vom Fachmann gelesen zu
werden, sondern geht eigentlich jeden PSE -Therapeut an. Guggenbichlers Gedanken
insbesondere zum Thema Stress und Psychosomatik beziehungsweise
tiefenpsychologischer Dynamik scheinen mir von ganz wesentlicher Bedeutung zu
sein. Ihm gebührt das Verdienst, sie in dieser Übersichtsarbeit anschaulich und
zugleich anregend dargestellt zu haben. Noch ein Hinweis: wegen ihrer grossen
Länge musste ich die Originalarbeit leider kürzen (insbesondere jene Teile, die
jedem PSE-Therapeuten bekannt sind sowie zahlreiche Fallschilderungen) .
7.1. Stressbedingte craniomandibuläre
Funktionsstörungen
– ein generationenübergreifendes Krankheitsbild
Ein Beitrag aus psychosomatischer Sicht mit Vorstellung eines neuen supportiven
Therapieansatzes
Die Seele ist wund, der Leib nit. (Paracelsus)
Einleitung
Als Hans Selye 1936 seinen ersten Aufsatz über biologischen Stress schrieb, war noch nicht daran zu denken, in welchem Maße „Stress“ zu einem geflügelten Wort, einer Allerweltsfloskel werden sollte. Kaum einer, der nicht heute dieses Wort in unterschiedlicher Bedeutung gebrauchte, kaum einer, der nicht gerne ein Patentrezept dagegen hätte, der sich nicht mehr stressen lassen möchte. Statistiken wie die jährlichen BKK-Studien zur langfristigen Entwicklung zeigen: Stress im Berufsalltag und damit einhergehende zunehmende Arbeitsunfähigkeit sind ein zunehmendes Problem. (Bergius)
1976 wurden nur 2 Prozent aller Krankheiten als psychische Störungen erfasst; 2004 lag die Quote bei 8,3 %, 2006 bei 8,9%. „Neurosen und Depressionen liegen damit an Platz vier der häufigsten Krankheitsarten.“ Auch Kinder unterliegen einem spezifischen Stress: „Fast die Hälfte von ihnen hat das Gefühl, im Unterricht nicht mitzukommen. Der Nachhilfemarkt boomt. Trotzdem verlässt fast jeder zehnte Schulabgänger das Bildungssystem ohne Hauptschulabschluss. Die Freizeit des Nachwuchses wird straff organisiert. Auf den Stress reagieren Kinder wie Erwachsene: mit psychosomatischen Beschwerden.“ (Gaschke)
Stress ist ubiquitär in allen Altersstufen verbreitet.
„Zähneknirschen ist kein Phänomen des Alters. Es beginnt meist schon in frühen Kindheitstagen.“ Quelle: http://www.dgk.de/gesundheit/kind-gesundheit/baby/zaehneknirschen.html.
Dies gilt auch für das spezifische Stresssymptom der cranio-mandibulären Dysfunktionen (abgekürzt CMD, häufig wird synonym der Begriff Bruxismus verwendet) und die sich daran anschließenden Folgeerscheinungen. (Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, DGZMK hat 2005 mit der "Craniomandibulären Zahnheilkunde" und "Craniomandibulären Kieferorthopädie" eine neue Gebietsbezeichnung für die Zahnmedizin / Kieferorthopädie eingeführt. Sie beschäftigen sich mit den Funktionszusammenhängen und Erkrankungen der Funktionen des Kopf-Schulterbereichs und zeigen darüber hinaus die grosse Bedeutung und Verbreitung derartiger Funktionsstörungen.)
Das Phänomen CMD ist für den Zahnarzt schwierig ursächlich zu behandeln und kann oft nur symptomatisch angegangen werden, um Folgeschäden vorzubeugen. Wegen der ubiquitären Verbreitung von Zahnerkrankungen und der vergleichsweise hohen Akzeptanz zahnärztlicher Diagnostik und Therapie ist somit oft der Zahnarzt der Erste, der die psychischen Probleme des Patienten erkennen kann. Allerdings hat er den Nachteil, daβ er mit seiner üblichen klinischen Basisdiagnostik nur schlecht gerüstet ist, psychosoziale Belastungen und psychosomatische Erkrankungen zu erkennen. Häufig kommt es vor, dass diese “viel zu spät erkannt werden, was zu fatalen Folgen im Bezug auf den Erfolg einer zahnärztlichen Behandlung führen kann. ” (Bundeszahnärztekammer (Hg.): Leitfaden Psychosomatik in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Berlin 2006, S. 11 )
In Kenntnis dieses Umstandes ist die empfohlene Vorgehensweise, z. B. mittels
einer entsprechenden Checkliste psychosomatische Beschwerdebilder von
somatischen Beschwerden abzugrenzen. Auch wenn eine systematisierte
Befunderhebung für die Routinediagnostik und Patientenbeurteilung angewendet
wird, verbleiben trotzdem große
Schwierigkeiten hinsichtlich der Zuverlässigkeit, des Umfangs und der
Schnelligkeit der (Ausschluss-)Diagnose. Störend ist vor allem, daβ eine
Bündelung von eher somatischen mit eher psychischen Symptomen eine Einordnung
des Patienten erschweren kann. Dieser Umstand dürfte auch verantwortlich dafür
sein, dass nicht gerade selten nach einer zahnärztlichen Behandlungsmaßnahme
eine psychosomatische Störung als unerwartetes
Phänomen auftritt, die jedoch nur vom Therapeuten als solche eingeordnet wird.
Weil der Patient sich “falsch behandelt” fühlt, der Therapeut vom Gegenteil
überzeugt ist, weil seiner Kenntnis nach gemäss den Regeln der Kunst gearbeitet
wurde, entsteht “Ratlosigkeit, gegenseitiges Unverständnis, zunehmende Wut und
Aggression auf
beiden Seiten, die dann oft zu unschönen, bisweilen sogar juristischen
Auseinandersetzungen führen.“
Zutreffend ist, daβ dieses Risiko durch eine
geeignete Strategie der Patientenführung verringert werden kann. Wenn der
Patient erfolgreich von seinem “somatischen Standpunkt” abgeholt wird und
aufgezeigt bekommt, “daβ das Denken, Fühlen und Handeln einen entscheidenden
Einfluss auf das eigene körperliche Befinden hat”, kann nicht nur im Idealfall
der Patient motiviert werden, sich oder etwas in seinem Leben zu verändern, sei
es z. B.
durch das Erlernen von Entspannungsverfahren oder längerfristige aufdeckende
bzw. verhaltensmodifizierende Therapien. Allerdings ist es auch häufig, daβ
Patienten die Tatsache einer psychischen Problematik sogar beim Arztbesuch
verschweigen, meist weil sie dieses anderen nicht offenbaren möchten.
Dies gilt besonders dann, wenn ein Therapeut wie der Zahnarzt im gängigen Sinn
nicht für eine Erkrankung zuständig ist. Er begegnet zusätzlich zwei Hürden:
1. Der Patient möchte mit seinem Problem nicht zu einem anderen Therapeuten “abgeschoben” werden, weil er primär von ihm eine Lösung erwartet und / oder er lehnt eine “Psychiatrisierung” , auch eine supportive Psychotherapie seiner Problematik ab. Diese Situation kommunikativ zu beherrschen ist eine Herausforderung, die auch eine von Empathie, Wertschätzung und Echtheit getragene Arzt-Patientenbeziehung - wie sie z.B. von Carl Rogers propagiert wird- bis aufs äußerste belasten kann, wie ich aus eigenem Erleben berichten kann.
2. Andererseits gilt es mittlerweile auch anzuerkennen, daβ die Qualität der psychotherapeutischen Betreuung sehr unterschiedlich ist, teils aus immanenten Gründen, teils wegen der individuell sehr unterschiedlichen persönlichen Art des Therapeuten. Wenn „die Chemie nicht stimmt“, sei es auf Grund der Methode oder der Person des Therapeuten, ist dies ein Grund, der Patienten davon abhalten kann, sich um eine adäquate Therapie zu bemühen.
In Teil 1 soll ein Überblick über
Einschätzungen zum Stellenwert der Psychosomatik in der Medizin gegeben und der
Forschungsstand zur Psychosomatischen Diagnostik und Therapie bei Patienten mit
craniomandibulären Störungen dargestellt werden.
Im Teil 2 stelle ich eine relativ neue Methode der supportiven Diagnostik ( und
Therapie) vor, die wesentliche Vorteile gegenüber gängigen Verfahren bietet: Sie
ist verhältnismäßig leicht zu erlernen, sie kann schnell durchgeführt werden,
hat eine hohe Akzeptanz beim Patienten und eine solide wissenschaftliche Basis
aufzuweisen: Die Psychosomatische Energetik nach Dr.Reimar Banis.
Teil 3 illustriert durch Darstellung einiger Kasuistiken die Therapieoptionen im
Rahmen einer nicht nur psychosomatisch sondern auch psychoenergetisch
erweiterten Zahn- Mund- und Kieferheilkunde und verdeutlicht das therapeutische
und präventive Potential der “Psychosomatischen Energetik” nach Banis bei der
zahnärztlichen Behandlung auch bei prothetischen und craniomandibulären
„Problempatienten.“
Im Teil 4 ist der Diskussion der angeführten Sachverhalte und Erfahrungen
vorbehalten sowie dem Versuch einer zusammenführende Bewertung.
7.1. Zur Psychosomatik in der Medizin und in der Zahnheilkunde
7.1.1 Psychosomatik in der Medizin –
Begriffsklärung
Nach Hontschik lassen sich vier Konzepte unterscheiden. Die historisch älteste
Auffassung ist eine eigenständige Krankheitstheorie, wonach es „echte“, d.h.
ausschließlich psychogen bedingte Krankheiten gäbe wie z. B. das Asthma
bronchiale, die Colitis ulcerosa oder das Ulcus duodeni. Hontschik: „Dieses
Konzept ist längst überholt; Dennoch sitzt diese Vorstellung bis heute fest in
den Köpfen der Patienten und auch der Ärzte, zumindest meiner
Generation.“ Erfahrungsberichte, daβ eine langjährige Colitis durch eine
Ernährungsumstellung und Substitution orthomolekularer Substanzen binnen kurzem
abklang, sind geeignet, die Unhaltbarkeit dieses Konzeptes zu bestätigen.
(Volkmann)
„Die zweite Variante der Psychosomatik beschäftigt sich mit den Krankheiten ohne organische Ursache“, früher gebrauchte man den Begriff „funktionelle Krankheiten“, heute hat es sich eingebürgert, von „somatoformen Störungen“ zu sprechen und das ICD-Diagnoseraster anzuwenden. Hontschik kritisiert, daβ dieses Konzept unter anderem die „historische Dimension von Diagnoserastern“ ignoriere, es sei also mehr ein Verlegenheitsbegriff, der ein Sammelsurium verschiedenster Diagnosen umfasse, deren organisches Korrelat nicht bekannt sei. Es sei aber davon auszugehen, daβ „Liebe und Hass, Scham und Trauer, Depression und Freude, Ekel und Begeisterung irgendwo im menschlichen Körper (...) auch eine organische Grundlage haben“ müsse.
Als drittes sei der Begriff Psychosomatik in Sinne einer primär psychischen Behandlungsnotwendigkeit gebräuchlich. Psychotherapie werde dabei wie die Chirurgie als ein Handwerk aufgefasst. Diese Auffassung sei von einer ausgeprägt dualistischen Denkweise geprägt: „Die Seele sitzt in dem einen Stockwerk und macht den Körper, der sich in einem anderen Stockwerk befindet, krank.“ Viertens könne man Psychosomatik auch als eine „ärztliche Grundhaltung“ beschreiben, bei der ein Arzt mit der Zielsetzung handelt, „den Patienten nicht in Körper und Seele aufgeteilt, in einzelne Organe zerlegt wahrzunehmen und seine Krankheit nicht abschnittsweise und desintegriert zu behandeln. (...) Unter diesem Blickwinkel ist der Psychosomatiker ein Facharzt für ärztliche Grundhaltung.“
Aus dem Umstand, daβ heute Psychosomatik als eigenständiges medizinisches Fach etabliert ist, deduziert Hontschik als fünfte Definition: „Psychosomatik ist das institutionelle Outsourcing des Menschen aus der Schulmedizin.“ Diese Entwicklung ergibt sich nach Hontschik aus folgenden Prämissen: „Die Schulmedizin denkt mechanistisch, ihr Menschenbild ist dualistisch, zweigleisig, und möglicherweise ist das erwünscht (...) Mit Einzelfällen, mit individuellen Arzt-Patienten-Beziehungen, mit Narrativen und Fallbesprechungen lässt sich aber keine Gesundheitsindustrie aufbauen und profitabel unterhalten. (...) Psychosomatik ist (...) die Notlösung der Schulmedizin für all jene Probleme, die sich bei der Ausübung der Heilkunst aus der scharfen Trennung zwischen Körper und Seele ergeben.“
Diese Definitionen mögen geeignet und gedacht
sein als Anregung zu mehr begrifflicher Klarheit und zum Widerspruch
herausfordern, kommen jedoch aus einer Wirklichkeit, die der Karikaturist in der
Abbildung "Der Patient und die spezialisierte Medizin" pointiert graphisch dargestellt hat.
Dies um so mehr,
als Hontschiks Vorstellungen einer „integrierten Medizin“ (in Anlehnung an Thure
von Uexküll) blass bleiben, auch die praktische Umsetzung nur angedeutet wird.
Die Vorstellung, eine Verbindung von Konstruktivismus, Semiotik und
Systemtheorie lasse keine Wünsche mehr offen, ist nur ein Schritt in die
richtige Richtung. Voraussetzung dazu ist ein anderes Kommunikationskonzept,
welches besser geeignet ist, zu einer guten Beziehung zwischen Arzt und Patient
beizutragen. Hontschik skizziert dies in Kombination mit einem dreigliedrigem,
nicht-trivialen Modell (im Gegensatz zum zweigliedrigen Ursache-Wirkungs-Modell
der Schulmedizin) von Krankheit. Die Sichtweise von Krankheit als Bestandteil
einer individuellen Lebenskonstruktion eröffnet eine neue Art, Krankheitsbilder
individuell in ihrer Sinnhaftigkeit zu erfassen und zum Gegenstand des
Therapiegesprächs zu machen. Die Verknüpfung mit der Semiotik von
Charles Sanders Peirce als kategorisierendes Werkzeug unterstütze eine auf den
Anspruch der Nachvollziehbarkeit
nicht verzichtende therapeutische Tätigkeit.
(Peirce, ein Philosoph des 19. Jahrhunderts, unterschied sämtliche existierenden Zeichen in drei „Universalkate-gorien“, nämlich die ikonische (basale körperbezogene Erfahrungen wie Hunger, Durst, Schmerz. Lust), die indexikalische ( Zeichen, die Verbindungen herstellen oder Vorstellungen und Erfahrungen über Ursache und Wirkung enthalten, d. h. Kausalitätszusammenhänge, sensorisch-motorische Kompetenz und Raum- und Zielvorstellungsvermögen) und die symbolische (abstrakt-logische Zeichen, Repräsentanzen wie Ausdruck von Gefühlen über Sprache, nötig um die eigene Individualität auszudrücken und Sinnzusammenhänge her zustellen).
Mag dieses Konzept auch theoretisch brillant sein, eine erhebliche Schwierigkeit dürfte die Umsetzung in den Praxisalltag darstellen. Offen bleibt bei diesem Konzept auch, wie die Basis der Heilkunde, ihre vieltausendjährige Geschichte, ihre ethnologisch stark unterschiedliche Ausdifferenzierung, die dennoch oft Verbindendes erkennen lässt, mit einzubeziehen wäre. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ebenso wie der Ayurveda sind die ältesten datierbaren, heute noch vitalen Traditionen, ebenso wie der auf allen Kontinenten mündlich tradierte Schamanismus in seinen unterschiedlichen Formen. Sind dies perspektivisch gesehen Sackgassen in der Medizingeschichte, eines Tages medizinhistorisch von vergleichbarem Stellenwert wie die Entwicklung und das Ver-schwinden des Neandertalers in der menschlichen Kulturgeschichte? Im Teil 2 soll eine Antwort versucht werden, indem die theoretischen und praktischen Grundlagen der Psychosomatischen Energetik nach R. Banis dargestellt werden.
7.1.2 Psychosomatik in der Zahnheilkunde
(...)
7.1.3. Die Psychosomatische Sichtweise von Bernard Lown
(...)
7.1.4. Zur Physiologie der Stressverarbeitung
(...)
7.1.5. Psychosomatische Aspekte des Krankheitsbildes der „craniomandibulären
Dysfunktion“
(...)
7.1.5.1. Definition
(...)
7.1.5.2. Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis
(...)
7.1.6. Zielsetzung
(...)
Mit dieser Arbeit soll zum einem dem erwähnten Mangel an beschriebenen
Patientenfällen
entgegnet werden. Andererseits soll herausgearbeitet werden, daβ viel dafür
spricht, dem
psychosomatischen Ansatz bei der Ätiologie dieses Krankheitsbildes einen hohen
Stellenwert zu geben. Es soll eine Methode dargestellt werden, die als kausale
Therapie
geeignet ist und die sowohl im Sinne einer Primärprävention als auch in jedem
Stadium der
Erkrankung und in jedem Lebensalter eingesetzt werden kann.
7.1.7. Grenzen der Psychoanalytischen Methode
Trotz seiner revolutionären und bahnbrechenden Arbeit wurden auf der Grundlage
von
Freuds Arbeit schon früh andere Wege der Therapie vorgeschlagen. C. G. Jung,
Alfred
Adler, Georg Groddeck, auch Wilhelm Reich und Viktor Frankl müssen in diesem
Zusammenhang genannt werden. Die Situation nach Freuds Tod war durch
diadochenartige
Nachfolgeauseinandersetzungen geprägt, die hier nicht Gegenstand der Betrachtung
sein
sollen. Zumindest sind sie Indiz einer individuellen Schwerpunktsetzung, aber
auch einer
Weiterentwicklung und fortschreitender Differenzierung des Therapieangebotes,
die bis
heute angehalten haben.
(...)
Wenn wir 40 Jahre, nachdem Fromm diese Beobachtungen
niederschrieb, die Statistik über
die Morbiditätsstruktur betrachten, fällt auf, daβ der Anteil an psychischen
Erkrankungen
bzw. somatoformen Störungen einen hohen Prozentsatz der chronisch Kranken
ausmacht.
Wenn auch keine Therapiemethode für sich in Anspruch nehmen kann, 100-prozentig
bei
jedem geeignet zu sein, werden die Grenzen der Freudschen Psychoanalyse als
Therapiemethode und als konkrete Patientenerfahrung durch folgende Anekdote in
nuce auf
den Punkt gebracht. Auf die Frage “Verliert die Psychoanalyse an Bedeutung”
antwortete der
slowenische Philosoph Slavoj Žižek: “Einmal saß ich mit 25 Psychoanalytikern
zusammen
und habe gefragt, wer “Prozac”, “Zoloft” oder andere Antidepressiva nimmt. Bis
auf einen
haben alle die Hand gehoben. In den USA nehmen angeblich 20 bis 30 Prozent aller
Erwachsenen Psychopharmaka - und 80 Prozent der Akademiker.”
7.2. Grundlagen der Psychosomatischen Energetik (PSE)
Die Psychosomatische Energetik ist ein Verfahren, das von Reimar Banis
entwickelt wurde
und 1997 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Sie beruht auf zwei
empirisch
gefundenen Grundthesen. Die erste These findet sich historisch schon als Basis
des
indischen Yoga und der traditionellen chinesischen Medizin. Dort wird von der
Existenz eines
feinstofflichen Energiefelds ausgegangen ( „Prana“ bzw. „Chi“) , das mit dem
subjektiven
Befinden korrespondiere und entscheidend mit Gesundheit und Krankheit zu tun
habe. Die
zweite These beruht auf der Auffassung, daβ seelische Konflikte im Energiefeld
des
Patienten als abgespaltene Entitäten vorhanden seien. Im Unterschied zum Modell
der
modernen Psychotherapie geht die PSE davon aus, dass ein seelischer Konflikt
keine rein
immaterielle Erscheinung sein, sondern eine energetische Ladung und Präsenz im
Energiefeld des Patienten.
7.3. Kasuistiken aus der zahnärztlichen Praxis
(Besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle meinem Kollegen
Eberhard Ulmer aussprechen, der mit
Vorträgen und Veröffentlichungen mich bestärkt hat, die PSE als Methode in meine
zahnärztliche Tätigkeit zu
integrieren. Vgl. besonders: Ulmer, E: Verbesserung der Materialverträglichkeit
durch Eliminierung der
getesteten Streßfaktoren; In: GPW: 3.Jg. 2/96, S. 22-26 und :Ulmer, E: Faktor
Psyche im Störfeldtest. Die
Einbeziehung der Emotionalmittel nach Dr. R. Banis in den
Herd-Störfeld-Toxintest mit Lykotronik-AMA,
Physio-Energetik bzw. Kinesiologie; IN: GPW 6.Jg. 4/2001, S. 20-24)
(Die angegebenen Patientennamen entsprechen nicht denen der realen Patienten.)
7.3.1 Begleittherapie bei kieferorthopädischer Behandlung
(...)
7.3.2. Behandlungsphobie
(...)
7.3.3. Rezidivierende neuralgische Schmerzen
(...)
Epikrise: Im Beobachtungszeitraum berichtete die Patientin
nicht mehr von Schmerzanfällen.
Auf Nachfrage gab sie an, die Schmerzintensität habe sich ganz stark reduziert,
der
Leidensdruck durch gelegentliche Migräne sei erträglich. Die Ehekrise sei
überstanden. Auf
ihre Empfehlung hin stellt sich ihre Tochter als neue Patientin in der Praxis
vor.
7.3.4. Hyperästhesie / Parodontose / CMD
(...)
7.3.5. Schmerzzustand nach Implantation
(...)
7.4. Diskussion
Die Grundlagen der PSE mögen hinsichtlich der Wirksamkeit der Methode zweifeln
lassen,
da weder Yoga noch Chinesische Medizin und deren zugrundeliegende Konzepte sich
allgemeiner wissenschaftlicher Akzeptanz erfreuen, Energieteste sich als
subjektive
Testverfahren nicht objektivieren liessen und die Effizienz von Homöopathie als
Therapieverfahren seit den Anfängen immer wieder in Frage gestellt wurde. Bei
einer
komplexen Methode wie der PSE wäre das Ergebnis Null, wenn nur einer der
tragenden
Faktoren mit Null zu bewerten wäre: Ein viereckiger Tisch ohne viertes Bein wäre
als
Esstisch ungeeignet, wenn man ihn nicht in die Waage bringen würde. Kann es
möglich sein,
daβ durch die Verknüpfung von mehreren „wissenschaftlich nicht allgemein
anerkannten“
Verfahren eine stimmige Medizintheorie und ein praktikables Diagnose- und
Therapiekonzept
entstehen kann? Die Debatte um die angeführten Medizinkonzepte ist jedoch
längst nicht so eindeutig zu Lasten der Glaubwürdigkeit abgeschlossen, wie von
interessierter Seite oft vehement insinuiert wird. An mehreren Beispielen soll
dies dargelegt
werden.
7.4.1. Zur Wirksamkeit der Homöopathie
(...)
7.4.2. Zur Wirksamkeit des energetischen Medikamententests
(...)
7.4.2. Weitere Hypothesen zu Grundlagen von Gesundheit
7.4.3. Zum Verhältnis von Bewusstwerdung und Widerstand
Heilung kommt von innen – durch Entspannung. Serge Kahili King
Der Widerstand, von dem Groddek, Freud und alle Therapeuten danach reden, ist
als
Widerstand gegen Selbsterkenntnis zu sehen. Der Patient will nicht einsehen, daβ
seine
individuelle Krankheit etwas mit ihm zu tun hat und die äußere Einwirkung nur
eine innere
Disposition und Voraussetzung aktiviert hat, ohne deren Vorhandensein die
Krankheit
ausgeblieben wäre. Gegen diese Erkenntnis und die sich daraus ableitende
Verantwortlichkeit wendet sich der Widerstand des Patienten. Der vielbeschworene
mündige
Patient will und kann oftmals aus seiner Entfremdung heraus gar keine
Verantwortung für
sich übernehmen und ist somit als unmündig einzustufen, eines gesundheitlichen
Vormunds
bedürftig. Christian Morgenstern schrieb einmal die Erkenntnis nieder: “Die
Menschen wollen
die tiefen Hieroglyphen ihrer Krankheit nicht lesen lernen. Hierin liegt die
wahre Unheilbarkeit
ihrer Krankheiten: im Mangel an und im Widerwillen gegen Erkenntnis. Hierin,
nicht in den
Bakterien.”
(...)
7.4.4. Sinnfindung als salutogenetischer Faktor
(...)
7.5. Zusammenfassung und Ausblick
Medizin ist die Wissenschaft des Ungesicherten, die Kunst des Wahrscheinlichen.
William Osler
Die PSE ermöglicht, Soma und Psyche des Patienten sowie die unbewussten
Blockaden
exakt zu benennen, zu vermessen und gezielt zu therapieren: Es handelt sich
dabei um
– die genaue Lokalisation des Widerstands im Energiefeld des Patienten
(„Seelisches
wird messbar“);
– die Verknüpfung zu den Lebensumständen und zum charakterlichen Grundtyp des
Patienten als konstitutionellen Faktor;
– dazu die präzise Benennung des Konfliktinhaltes und des Therapiezieles;
– die energetische Auflösung des konstitutionell bzw. miasmatisch geprägten
Widerstandes;
– Aktivierung der Potentiale des Patienten, hin zu einem wirklich gelebten
Leben, zu
einem mit Sinn erfüllten Lebensweg;
– ein naturwissenschaftlich fundiertes Modell der Transzendenz der irdischen
Existenz.
Auffällig ist, daβ Patienten, die mit dem Ergebnis eines Energie-Checks bekannt
gemacht
werden, sich überwiegend damit identifizieren können. Dies hebt den großen Wert
der
Methode besonders hervor.
Indem die Therapie fortschreitet, reduziert sich die mit dem
Konflikt verbundene affektiv-emotionale
Ladung (ähnlich wie eine Batterie durch Anschluss eines Verbrauchers sich zu
entladen beginnt). Die praktische Probe nach der Konfliktauflösung ist dann zu
bestehen,
wenn eine vergleichbare Situation zu meistern ist. Wenn der ehemalige Patient in
der Lage
ist, frei mit dem existentiellen Thema umzugehen und nicht als Opfer in das
gewohnte
Muster des Traumas sich wiederfindet, wird eine Heilung offenbar. Da jeder
Mensch
mindestens 2 bis 3 Konflikte hat, manchmal auch mehr als 5 oder 8, kann eine
Behandlung
sich unter Umständen über mehrere Jahre strecken, je nachdem, in welcher
Geschwindigkeit
Konflikte reif für die Behandlung werden.
Erfahrungsgemäß lassen alle Umstände, die als Stress empfunden
oder als Lebenskrise
bezeichnet werden (wie z.B. Trennungen, Todesfälle, Unfälle, Prüfungen,
Arbeitslosigkeit)
als auslösende Momente die individuelle Grundfragen des Lebens in Form von
Konfliktthemen an die Oberfläche kommen. Craniomandibuläre Funktionsstörungen
sind oft
Begleiterscheinung dieser Umstände und ein Indiz für den behandelnden
Therapeuten. Krise
als “Wendezeit” erfordert für eine positive Lösung ein Sich-Frei-machen von
existenziellen
Lasten. Nur wenn die Vergangenheit aufhört, die Gegenwart zu gängeln, wird der
Mensch
frei für eine selbstbestimmte Zukunft.
Glücklich sein heißt, ohne Schrecken seiner selbst innewerden zu können. (Walter
Benjamin)
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