Diagnose: Warum braucht es mehr als ein Röntgenbild ?

Ob Zähne eine Belastung für den Körper darstellen, kann nur durch die Kombination verschiedener Untersuchungsverfahren festgestellt werden. Es gibt unterschiedliche Belastungsmomente, man unterscheidet hauptsächlich toxikologische, entzündliche, energetische, mechanische und allergisierende Einflüsse.

Im klassischen 2D-Röntgenbild zeigt sich nur die Hartgewebsstruktur, im 3D-Aufnahmen (DVT) ist auch Weichgewebe beurteilbar.

Eine Diagnose ohne objektivierende Verfahren wie Vitalitätstest, Reizstromtest und Röntgenbild ist nie empfehlenswert, auch wenn energetische Testverfahren (Elektroakupunktur, Kinesiologie, Bioresonanz-Verfahren) geeignet sind, die Belastungsgrößen auf der energetischen Ebene differenzierter zu messen als bildgebende Verfahren, z. B. inwiefern degenerative Tendenzen vorhanden sind. Dennoch ist die Einbeziehung objektivierender Verfahren ratsam, denn „kein diagnostisches Verfahren kann 100%ige Sicherheit gewähren. Immer wird es falsch positive und falsch negative Resultate neben den richtig positiven und richtig negativen produzieren“ (http://www.praxis-thaller.de/herddiagnostik.html)

Unverzichtbar ist deswegen Erfahrung in der Beurteilung von diagnostischen Ergebnissen. Dies gilt für jede Röntgenaufnahme, jedes EKG etc.

Wie sehr es zu Fehlbeurteilungen kommen kann und z.B. auch Röntgenbefunde ignoriert werden, nur weil der Patient gerade keine Beschwerden hat, die der Therapeut damit in Verbindung bringt, möchte ich an einem Patienten zeigen (vgl. die Aufnahmen oben). Es ist leider  Alltag, dass Röntgenbilder  krankhafte  Veränderungen zeigen, die jedoch von Zahnärzten verkannt oder ignoriert werden, weil  sie mit  der  Benennung  eingestehen müssten, dass eine Behandlung  nicht  erfolgreich gewesen ist. Da dies  Anlass zu langen unerfreulichen Diskussionen  sein kann, wird  dem  aus dem Weg  gegangen, solange  der  Patient  beschwerdefrei ist. Ich hoffe hier auch deutlich zu machen, welche ergänzenden Untersuchungen zu einem Panoramabild abhängig von der Auswertung empfehlenswert sein können, um sowohl falsch negative als auch falsch positive Ergebnisse auszuschließen und keine Unter- oder Überbehandlung vorzunehmen.

Was zeigt das Panoramabild? Ein Beispiel von einem 70-jährigem Patienten, der mich kürzlich wegen einer zweiten Meinung aufsuchte. Er brachte auch ein Röntgenbild aus dem Jahr 2002 mit, das zwar von der Qualitat unbefriedigend wenig Kontrast zeigt, aber doch eine bessere Beurteilung der Situation ermöglicht. (Gelbe Fenster mit gelben Markierungen der  auffälligen Bereiche)

FB 2015

Panoramaaufnahme im Jahr 2015

FB OPG 2002

Panoramaaufnahme im Jahr 2002

1. Zahn 17  machte vor kurzem Beschwerden. Eine Karies hatte die Zahnpulpa freigelegt , der Nerv ist abgestorben und an der Wurzelspitze sieht man eine beginnende Auflösung des Knochens infolge einer entzündlichen Reaktion.

2. Zahn 47 hat vor 2002 eine Wurzelfüllung und Krone bekommen. An der Wurzelspitze ist eine diskrete dunklere Zone an beiden Wurzeln erkennbar, Hinweis auf eine chronische Entzündungsreaktion. Die Wurzelfüllung hat ein immunologisches Problem verursacht, ist aber beschwerdefrei.

3. Zahn 46 hat ebenfalls vor 2002 eine Wurzelfüllung erhalten, die sich aber sehr „sparsam“ zeigt. Der Vergleich weist darauf hin, dass das Wurzelfüllmaterial sich im Laufe der Zeit aufgelöst hat. Es ist kein dichter Verschluss der Wurzelkanäle vorhanden, und es ist nicht verwunderlich, dass an der zur Mitte gewandtenWurzel eine große dunkle Zone erkennbar ist, die auf eine entzündlich bedingte Auflösung des Knochens zurück geht. Diese Zone besteht seit über 13 Jahren, wie der Vergleich zeigt und hat an Größe deutlich zugenommen. Der Zahn ist aber beschwerdefrei.

4. Im Bereich 37 bis 39 sind Knochenzonen dunklerer und hellerer Färbung zu erkennen. Dies unterstützt den Verdacht, dass nach Zahnentfernung eine Störung der Knochenregeneration zu einer unvollkommenen Knochenstruktur bzw. zu einer Verdichtung des Knochens (Sklerose/ helle Zone) geführt hat. Als Ergebnis einer Entzündungsreaktion kann sowohl eine Knochenauflösung als auch eine Knochenverdichtung auftreten ! Hier sieht man beides zusammen, etwas, das typischerweise nach Entfernung toter Zähne auftreten kann: Der Zahn 47 ist entfernt, aber nicht die immunologisch-toxisch bedingte Veränderung des Knochens.

5. Zahn 27 hatte 2002 noch keine, aber schon seit längerem eine Wurzelfüllung. Dennoch sieht man an den Wurzelspitzen eine Verdickung des Faserspalts, wie er typisch für eine toxisch bedingte Entzündungsreaktion ist. Dazu ist die Höhe des Knochens infolge von Parodontose um ca. 50 % zurückgegangen.

6. Zahn 25 zeigt sich seit 2002 mit einer nur unvollständigen (weniger als die Hälfte des Kanals ist gefüllt), rudimentären Wurzelfüllung, auch hier ist der Faserspalt verdickt, es zeigen sich dazu Bereiche von aufgelöstem Knochen ( dunkler) und entzündungsbedingter Sklerose (heller).

7. Zahn 22 hat gleichfalls eine Wurzelfüllung erhalten, die wegen aufnahmebedingter Unschärfe auf der aktuellen Aufnahme nicht deutlich erkennbar ist, jedoch auf der von 2002, dazu einen Stiftaufbau mit Krone. Als Zusatzdiagnostik sollte mindestens eine konventionelle Zahnfilmaufnahme erstellt werden.

8. Zahn 13 ist aufnahmebedingt nicht scharf dargestellt, hier gilt das zu Zahn 22 in gleicher Weise. In 2002 bestand eine tiefe Karies, von daher ist eine zwischenzeitliche Wurzelbehandlung nicht unwahrscheinlich.

9. Zahn 34 zeigt 2002 eine Wurzelfüllung, die 2015 nicht mehr erkennbar ist. Auch hier könnte das Material sich aufgelöst haben, der OPG-Ausschnitt ist jedoch unscharf und nicht sicher beurteilbar, eine Entzündung an der Wurzelspitze deutet sich an.

Fazit: Mindestens sechs tote Zähne sind vorhanden, vier davon mit mehr oder weniger deutlichen Entzündungszeichen bei Beschwerdefreiheit, und aktuell ist zu entscheiden, ob ein siebter Zahn wurzelgefüllt werden soll. Zur Erhärtung der Diagnose und zur Therapieplanung sind zusätzlich als objektivierende Verfahren 3D-Aufnahme, Cavitat, Orotox, RANTES, LTT Mercaptan /Thioäther hilfreich.

Eine energetische Diagnose ist nur eine zusätzliche Option, wo konkret fassbare Befunde vorliegen. Zwingend notwendig ist sie, wenn keine fassbaren Befunde vorhanden sind. Hilfreich ist Elektroakupunktur und Kinesiologie in der Regel in allen Situationen, um die Priorität von Maßnahmen und geeignete Begleitmedikationen herauszufinden.

Frage: Wenn das Immunsystem des Patienten schon mit sechs toten Zähnen nicht zurecht kommt (chronische Entzündungsreaktion = gescheiterter immunologischer Bearbeitungsversuch), wie soll es dann mit dem Siebten zurecht kommen?

Wir wissen schon seit längerem, dass chronische Entzündungen bei vielen Erkrankungen einen Einfluss haben, die Liste geht von Alzheimer über Diabetes, Herzinfarkt zu Krebs, Schlaganfall und endet bei knochenabbaubedingtem Zahnverlust.

Ist es vordringlich, tote Zähne zu erhalten, oder ist es vordringlich, Risikofaktoren für statistisch signifikant häufige Krankheitsbilder zu reduzieren ?

Dies hat jeder Patient für sich zu entscheiden. Nicht wenigen Patienten ist der Erhalt ihrer Zähne wichtiger als ihre Gesundheit. Das Prinzip der Selbstbestimmung schließt ein, zu irren. Dies später feststellen zu müssen, ist enttäuschend, ebenso wie das Erkennen der Fehlannahme, Gesundheit sei käuflich und auf Vorsorge könne man verzichten.

Zahnersatz kostet Geld und Zeit und ist mitunter gewöhnungsbedürftig. Wenn er gut gemacht ist, ist er jedoch keine Beeinträchtigung der Gesundheit.